Tschernobyl 1986; Brigitte Pflüger

Über 1000 km entfernt und doch so nah

Frühjahr 1986: Wir, eine junge Familie, damals in Mühlheim-Lämmerspiel, mit zwei Kindern , das Jüngste im Dezember 1985 geboren. Eine glückliche, hoffnungsvolle Zeit, der Verantwortung den Kindern gegenüber durchaus bewusst. Und insofern, wie in anderen Familien auch, natürlich das Beste für die Kinder wollend. Ein Kriterium war dabei die Ernährung für unseren jüngsten Erdenbürger: zuerst Muttermilch und danach nicht gespritztes Obst und Gemüse, vor allem erst einmal Erdbeeren, Kartoffeln und Karotten aus unserem Schrebergarten.

Wobei wir dann beim eigentlichen Thema angekommen sind! Ein auf die andere Minute großes Erschrecken und Angst vor der Zukunft! Einerseits waren die Meldungen über die Auswirkungen des Reaktorunglücks in Tschernobyl am 26. April tagelang sehr sparsam verbreitet worden. Zum anderen waren eventuell die Auswirkungen auf Deutschland und unsere Region anfangs noch nicht im ganzen Umfang absehbar?

Eingeprägt wie bei vielen anderen hat sich bei mir der 1. Mai: Ein wunderbarer Tag mit bilderbuchmäßigem warmen Frühlingswetter. Perfekt geeignet für einen Ausflugstag mit mehreren Familien, stundenlange Aktivitäten mit den Kindern im Freien……Und dann die Hiobs-Informationen in der Tagesschau am Abend …. und die Verbotsnachrichten in den darauf folgenden Wochen!

Auswirkungen, die sprichwörtlich vor der Haustür spürbar waren: das leere Freigelände am Kindergarten (die Erzieherinnen waren nicht zu beneiden, die wochenlang die Kinder bei bestem Wetter in den Räumen beschäftigten mussten), verlassene Sandkästen auf den öffentlichen Spielplätzen, auf den Schulhöfen keine Schüler/innen während der Pausen – und vor allem hat sich mir persönlich eingeprägt, meine spontanen umfangreichen Panikeinkäufe von Baby-Gläschen mit Obst und Gemüse im Großmarkt für unseren Jüngsten, nichts war es mit den selbst gezogenen Nahrungsmitteln aus dem Schrebergarten!

Mein Mitgefühl gilt selbstverständlich aber auch noch heute den Menschen aus der näheren Umgebung von Tschernobyl, die immer noch unter den Auswirkungen zu leiden haben. Dagegen waren natürlich die Erlebnisse hier minimal, aber für uns persönlich doch so einprägend, dass diese sofort präsent sind, wenn man daran denkt.

Gott sei Dank hat sich in der Atom-Politik im Laufe der Jahrzehnte in Deutschland einiges verbessert. Sicherlich hat das genannte Unglück und natürlich das vor fünf Jahren in Fukushima dazu beigetragen.

Langfristig können wir persönlich täglich mit einem gewissen Maß an Energiesparen und damit Ressourcen schonendem Verhalten ein ganz kleines Stück dazu beitragen, dass Atomkraftwerke nicht mehr nötig sein werden und die Gefahren von Katastrophen in diesem Bereich minimiert werden.

Brigitte Pflüger

Artikel kommentieren

Facebook
YouTube
Instagram